| |
Dr. rer. nat. Günter Scheuerbrandt.
Eine kurze Biographie für diejenigen, die wissen
möchten, warum ich versuche, den Familien mit Duchenne-Muskeldystrophie zu helfen.
|
|
Ich wurde 1930 in Ostpreußen geboren. Als der Krieg uns 1945 erreichte, floh unsere
Familie gerade noch rechtzeitig, und nach einer Reihe von ungewöhnlich glücklichen
Zufällen waren wir schließlich ohne alle materiellen Güter in der entgegengesetzten
Ecke Deutschlands, ganz im Südwesten im Schwarzwald in der Nähe von Freiburg.
Als ich dann sah, daß mir niemand das nehmen konnte, was ich einmal gelernt hatte,
machte ich trotz aller Schwierigkeiten 1950 das Abitur. Danach begann ich 1951 an der Universität
Freiburg, Chemie und Biochemie zu studieren, setzte das Studium in Grenoble in
Frankreich 1954/55 fort, und legte meine Diplomprüfung 1957 in Freiburg ab und eine
zweite 1959 in Grenoble. 1960 war ich mit meiner Doktorarbeit fertig und promovierte zum
Dr. rer. nat., Doktor der Naturwissenschaften. Danach war ich 1960/62 als "Postdoc" in den
USA bei Prof. Konrad Bloch in Harvard und Prof. Arthur Kornberg in Stanford. Wieder in
Deutschland begann ich für die pharmazeutische Firma E. Merck in Darmstadt zu arbeiten,
die mich 1968 wieder in die USA schickte, wo ich bis 1973 in ihrer Niederlassung bei New York
für Spezialchemikalien und diagnostische Tests verantwortlich war.
|
| |
|
In den USA traf ich Prof. Hans Zellweger in Iowa City, der ein Neugeborenen-Screening auf
Duchenne-Muskeldystrophie vorgeschlagen hatte, bei dem das Enzym Creatin-Kinase (CK) in
trockenen Blutflecken mit einem Test bestimmt wurde, bei dem die Luziferase aus
Glühwürmchen als Hauptbestandteil verwendet wurde. Nach langen Diskussionen mit
vielen Leuten, unter denen auch der Genetiker Prof. Peter Becker (der Entdecker der Becker-Dystrophie)
in Göttingen war, entschied ich mich, Merck zu verlassen und ein privates Laboratorium
in dem kleinen Dorf Breitnau im Schwarzwald, 30 km östlich von Freiburg zu etablieren,
in dem ich mich darauf konzentrierte Duchenne-Jungen früh zu finden, um ihren Familien
eine rechtzeitige genetische Beratung zu ermöglichen.
|
| |
|
In Zusammenarbeit mit der Universitätskinderklinik in Freiburg entwickelten meine
Mitarbeiter und ich den CK-Screeningtest an trockenen Blutflecken weiter und konnten beweisen,
daß es tatsächlich möglich war, damit Jungen mit Duchenne-Muskeldystrophie
einige Tage oder Wochen nach der Geburt zu finden. 1977 begannen wird, ein freiwilliges
Testprogramm mit dem "CK-Suchtest" in ganz Deutschland anzubieten.
Da unsere staatlichen Krankenversicherungen die Kosten für Tests zur Früherkennung
einer unheilbaren Krankheit nicht übernehmen, mußten wir die Eltern bitten,
selbst für den Test zu bezahlen. Während der 30 Jahre bis 2007 testeten wir
mehr als eine halbe Million Jungen innerhalb der ersten Wochen nach der Geburt und
fanden etwa 200 Jungen mit Duchenne- oder Becker-Dystrophie. Weil es aber immer
noch keine Heilung für diese schlimme Krankheit gibt, ist die Beteiligung an
unserem Programm jetzt sehr niedrig. Das Laboratorium ist 2005 nach Freiburg
umgezogen und ist dort Teil des klinischen Laboratoriums von Werner Kilchling,
einem Arzt für Laboratoriumsmedizin. Die finanziellen Probleme werden
uns wahrscheinlich zwingen, das Programm in der nahen Zukunft zu beenden.
|
| |
|
Gleich am Anfang unseres Früherkennungsprogramms war es mir klar, daß wir nicht
nur den Familien mit Duchenne-Jungen, die wir früh fanden, sondern allen anderen
Duchenne-Familien auch die Krankheit vorsichtig erklären und sie auch über die
Forschungsarbeiten nach einer wirksamen Therapie informieren sollten. Deswegen werde
ich meine Berichte über alle Seiten der Duchenne-Forschung weiterhin schreiben,
die sich vor allem auf die Vorträge bei den Forschungskonferenzen der
internationalen Elterngruppen des Parent Project Muscular Dystrophy in den USA,
in England, Australien und anderen Ländern stützen.
|
| |
|
Meine Frau Ute-Maria, eine Krankengymnastin aus Freiburg, und ich heirateten 1962 in Kalifornien.
Unsere Tochter ist auch Krankengymnastin. Mit ihrem Mann Ján, einem Ingenieur aus der Slowakei
hat sie drei Kinder und wohnt in der Nähe von Frankfurt. Unser Sohn Ralph ist Übersetzer
für viele Sprachen, mit seiner Frau Mechthild, einer Augenärztin, hat er zwei Kinder
und wohnt auch im Schwarzwald. Obgleich wir keine Duchenne-Jungen in unserer Familie haben,
weiß ich sehr wohl, was es bedeutet ein schwerbehindertes Kind zu haben.
Den Duchenne-Familien zu helfen ist zu meiner Lebensaufgabe geworden. Ich hoffe,
meine Forschungsberichte noch viele Jahre weiter schreiben zu dürfen.
|
| |
Dr. rer. nat. Günter Scheuerbrandt, Im Talgrund 2, D-79874 Breitnau
e-mail: gscheuerbrandt@t-online.de, Tel. *49-7652-1777.
|
| |
| |
|